Die Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der PIM Berlin ist für viele Menschen die erste Tür in einem komplexen Hilfesystem – und oft auch die einzige, die sie sich zu öffnen trauen. Sie bietet einen sicheren Raum für Menschen in Krisen, nach Klinikaufenthalten oder in Phasen der Orientierungslosigkeit. Ihr Grundverständnis: niedrigschwellig, flexibel, unverbindlich und auf Wunsch anonym.
Wie die KBS unterstützt
Die Kontakt- und Beratungsstelle (KBS) der PIM Berlin ist eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen, die Orientierung, Unterstützung oder Stabilisierung suchen – sei es in Krisen, bei Depression, Ängsten, Einsamkeit oder nach Klinikaufenthalten. Sie richtet sich besonders an Personen, die das Hilfesystem nicht kennen, von bürokratischen Hürden abgeschreckt sind oder einen ersten Ankerpunkt brauchen. Anträge, Diagnosen oder ein Eingliederungshilfebescheid sind nicht notwendig, die Beratung kann auf Wunsch anonym erfolgen.
Die KBS bietet akute Hilfe und vermittelt in weiterführende Angebote und bietet psychosoziale Beratung– klar abgegrenzt von klassischer Sozialberatung. Zugleich schafft sie Räume für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung, Trauma, Rassismus oder für LSBTIQ+, neurodiverse Personen und ihre Familien. Neben individueller Beratung gibt es Gruppenangebote, in denen Skills vermittelt, Ressourcen gestärkt und Teilhabe gefördert werden. Die interkulturelle Öffnung ermöglicht Beratung auf Arabisch, Persisch, Englisch und Französisch.
Ablauf des Erstkontakts
Das erste Gespräch findet meist kurzfristig statt – oft innerhalb derselben oder der darauffolgenden Woche.
Besonders wichtig: Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben, außer minimale Angaben wie ein Vorname, falls gewünscht. So bleibt die Anonymität gewahrt.
Inhaltlich geht es im Erstgespräch um:
- die aktuelle Situation und Hintergründe
- Sorgen wie Angst vor Isolation, berufliche Perspektiven oder fehlende Tagesstrukturen
- eine erste Bedarfsanalyse
- Informationen über mögliche Anschlussangebote wie Tagesstätte, Therapeutische Wohngemeinschaft (TWG), Betreutes Einzelwohnen (BEW) oder Selbsthilfegruppen
Der weitere Verlauf ist individuell: Manche kommen nur ein- oder zweimal, andere nutzen die KBS über Monate regelmäßig. Bei Bedarf wird in andere Hilfen wie Eingliederungshilfe, ambulante Therapie oder Selbsthilfegruppen übergeleitet.
Angebote der KBS
Die KBS bietet verschiedene Formen der Unterstützung:
- Gesprächsgruppen: z. B. die Gruppe für junge Erwachsene (18–35 Jahre) mit Themen wie Depression, Angst oder Einsamkeit und die Gesprächsgruppe für Frauen - Depressionen und Ängste. Sie verbindet Selbsthilfe und fachliche Begleitung durch Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen.
- Selbsthilfegruppen: In Kooperation stellt der Verein Räume bereit. Die Gruppen organisieren sich selbst.
- Offene Sprechstunde: Ohne Termin, sofortige Krisengespräche möglich. Ziel: kurzfristige Entlastung und Orientierung.
- Offener Treff: Ein sozialer Begegnungsraum mit Austausch, Gemeinschaft und Begleitung durch Fachkräfte stehen im Vordergrund.
Die KBS im Hilfenetz
Die KBS übernimmt eine Schnittstellenfunktion: Sie fängt Menschen auf, die (noch) nicht in die Eingliederungshilfe wollen oder können. Sie klärt Bedarfe, begleitet Übergänge und baut Brücken zwischen Klinik, Eingliederungshilfe und Selbsthilfe.
Ein besonderer Fokus liegt auf jungen Erwachsenen, die häufig Angst vor einer „Chronifizierung“ haben oder eine Antragstellung scheuen. Hier bietet die KBS einen unverbindlichen, niedrigschwelligen Zugang ohne Stigmatisierung.
Projekte im Sozialraum: „rAus:sprechen“
Neben der direkten Beratung engagiert sich die KBS auch im Sozialraum Moabit. Mit der Veranstaltungsreihe „rAus:sprechen“ will sie die Nachbarschaft einbeziehen, die eigene Expertise sichtbar machen und neue Zugänge schaffen. Der Name ist Programm: Es geht ums Raus-, Aus- und Miteinander-Sprechen.
2024 und 2025 fand im Rahmen dieser Reihe eine besondere Aktion statt: In Zusammenarbeit mit dem Moabiter Ratschlag organisierte die KBS vor ihrem Standort eine lange offene Kuchentafel mit Infoständen. Begleitet wurde die Veranstaltung durch einen Vortrag und Austausch zum Thema „Resilienz stärken – Kraftquellen im Alltag entdecken“.
Solche Formate schaffen Begegnung auf Augenhöhe: Nachbar*innen, Besucher*innen, Fachkräfte und Angehörige kommen ins Gespräch über psychosoziale Themen. Gleichzeitig wird die PIM und das Thema psychosoziale Gesundheit im Stadtteil sichtbarer.
Ein unverzichtbarer Anlaufpunkt
Die Nachfrage nach der KBS ist enorm – insbesondere bei jungen Erwachsenen, die hier einen niedrigschwelligen und vertrauensvollen Zugang ins Hilfesystem finden. Das zeigt eindrücklich, wie sehr die Angebote gebraucht und geschätzt werden. Die KBS überzeugt nicht nur durch ihre Offenheit, sondern auch durch ihre große Flexibilität: Sie fängt viele Themen auf, die anderswo gar nicht oder erst mit langen Wartezeiten bearbeitet würden. Damit hat sie sich als unverzichtbare Auffangstation und Brückenbauerin im psychosozialen Versorgungssystem etabliert – ein Ort, der Orientierung gibt, Vertrauen schafft und neue Perspektiven eröffnet.
Die Kontakt- und Beratungsstelle der PIM Berlin wird finanziert aus PEP Mitteln des Bezirksamtes Berlin-Mitte.









